Making of "Entertain"

Die Story wie das Album entstanden ist.

Angefangen hat die Arbeit an "Entertain" kurz nach der Produktion von "Altered Stems", der Zusammenarbeit mit Sven Piayda nach dem "Sing my song" Prinzip, sprich jeder nimmt jeweils alternative Versionen von bestehenden Tracks des Anderen auf.

Bei der Arbeit an "Altered Stems" habe ich bereits gemerkt, wie gut eine Zusammenarbeit mit Sven funktioniert und das es doppelt so viel Spaß bringt, gemeinsam neue Ideen auszutüfteln. Die Co-Produktion hatten wir in Rekordzeit förmlich durchgeprügelt, im Kern waren das 11 Tage die wir an den Tracks gefeilt haben.

Sven hat das oft unterschätzte Mastering und die Album Zusammenstellung inkl. Artwork übernommen, und wir befanden uns immer noch mitten im Lockdown - sprich es war täglich viel Zeit übrig die man mit Musik verbingen konnte.

Ich begann also wieder an eigenem Material und Tracks zu arbeiten, und hatte relativ zügig einen Pool von 5-6 Tracks zusammen, von denen ich dachte das sie ganz gut zusammenpassen. Einen Teil dieser Tracks in den frühen Versionen habe ich in der Gruppe oder teilweise nur für Facebook-Freunde geteilt. Der Titel des Albums war auch früh gefunden und ist auch von der Zeit geprägt in dem die Idee zum Album entstand, das ist ausführlich auf dem Booklet erklärt.

Mittlerweile war es dann Juni, die Maßnahmen des Lockdowns waren gelockert, und wir waren uns schon während der Aufnahmen darin einig, daß - sobald es wieder irgendwie möglich ist, wir uns auf die spontante Zusammenarbeit ein gepflegtes Bier genehmigen würden.

Der Release von "Altered Stems" am 12.06.2020 bot sich förmlich an, und eigentlich wollten wir uns im Biergarten bei bestem Wetter die angedachte Belohnung abholen. Diese Idee hatten leider auch viele andere Leute, so daß an einen Sitzplatz draußen nicht zu denken war. Tatsächlich ist es dann ein kaltes Heineken von der Bude geworden und ein langer sonniger Abend auf der Mauer am Marktplatz.

Im Lauf des "Release Bierchen Abends" haben wir uns über alle möglichen Themen unterhalten, eines davon war die Arbeit am kommenden Album.
Ein weiteres Thema war, daß organische Anteile eine rein elektronische Produktion oft viel lebendiger machen und Sven bot an, daß ich den "Hut aufbehalte" er aber diesmal Material beisteuert - wir mal was probieren und schauen wohin die Reise geht.

Kurz nach diesem Abend habe ich alles an Material hochgeladen, was zu diesem Zeitpunkt halbwegs fertig schien. Einige der frühen Tracks sind im Laufe des Projekts rausgeworfen worden, weil noch bessere Tracks dazu kamen. Survivor der frühen Tracks sind z.B. "Tango with esperanza" und "Afterlife".

Neugierig und gespannt hatten wir dann den Termin für die erste Recording Session bei mir, und ich dachte es steht ein Track für den Abend auf dem Programm (auf den ich vorbereitet war), tatsächlich waren es aber vier und ich war echt fasziniert wie konkret und zügig Sven ablieferte, so daß es beinah stressig wurde, mit dem Recording, Spuren beschriften und anderen Dingen hinterherzukommen.

Nach dem Recording der ersten Session folgte dann, wie bei jeder späteren die Nachbereitung und das Mixing, teilweise hat das drei Tage gedauert einen Abend Aufnahme zu verarbeiten. Dabei stellte sich ein Problem ein, und an dieser Stelle habe ich definitiv dazu gelernt.
Während das bei sehr offen angeleten Tracks wie "Afterlife" unproblematisch war, klang das z.B. bei "Last Song" überhaupt nicht.

Bei der Zusammenarbeit mit Sven ist das so: Wenn etwas nicht gut ist, sagt er das - und das ist perfekt so! Um das Problem ganz einfach zu veranschaulichen: Wenn ich in ein vollgestelltes Regal noch was reinpacken will, muss was anderes raus. Anfangs habe ich noch ziemlich zaghaft versucht mit EQ's ein wenig Platz zu schaffen, später bin ich da etwas radikaler zu Werke gegangen: Track anhören, nicht relevante Spuren/Parts suchen und löschen.

Mit diesem Problem hatten wir immer mal wieder im Laufe des Projekts zu kämpfen, da die Tracks von Grund auf schon ziemlich vollgepackt waren, war das eine der größten Schwierigkeiten und der Grund warum es dann bei den internen Revisionsnummern der einzelnen Titel bis Nr. 15 ging. Das ist der Punkt an dem man feststellt ob eine Zusammenarbeit wirklich funktioniert, Geduld - Kritik - Kritikfähigkeit.

Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, "Afterlife" ist für mich ein besonderer Track den man kaum auf einem Elektro-Album suchen würde, was "Entertain" unter dem Strich auch nicht geworden ist. Nach Aufnahme der Gitarren stellten sich auf einmal - ich nenne das mal "U2 verdächtige Vibes" ein, und nach Aufnahme von Bass und akustischem Drumpart war das auf einmal ein neuer Song. Der urspüngliche Plan war, ein bis zwei Tracks auf dem Album so aufzupeppen, etwa beim Bergfest wurde für mich klar, das wäre etwas fade so viele reine Synth Tracks die neben den anderen schon mal ziemlich kühl bis dünn werden, und das Konzept wurde über Bord geworfen, neuer Plan: Mehr Gitarren!

Es folgten weitere Tracks die entstanden und weitere Aufnahmesessions, neben kleinen Ritualen wie einer kurzen Lage-Besprechung ohne Rechner vor jeder Session wurden wir eigentlich immer routinierter, weil man mit der Zeit ein Gefühl dafür bekommt, was der andere da meint/im Kopf hat.

"Last song" und "Wearing winter" sind eigentlich schon auf dem letzten digitalen Release von mir erschienen, mir gefallen die neuen Versionen aber so gut, daß sie ihren Platz auf Entertain bekommen haben. "Blackland" ist eigentlich noch älter, ursprünglich war dieser für den ersten Live-Gig im Makroscope gedacht, da es nur ein 15 minütiges Zeitfenster gab, kam ich nicht mehr dazu. "What about" war für den Electric Cafe Sampler gedacht, da ich aber der einzige war der da mal einen Track gepostet habe - wurde er deutlich aufgebohrt und ist jetzt für mich eine echt coole Mischung geworden: 80's Disco Sound meets Nirvana - hätte nicht gedacht das es funktioniert aber ist echt eine herrliche Mixtur.

Diesmal war es schwierig den Punkt zu finden an dem man denkt, "ja das ist es jetzt und das Beste was ich im Moment auf die Beine stellen kann", und das Mastering war Ende September dann auch durch und ging im Vergleich zum Rest relativ easy innerhalb weniger Tage über die Bühne. "Entertain" einem konkreten Musikgenre zuzuordnen, oder in Summe zu sagen: "das klingt ja wie" ist nicht so einfach. Beschreiben würde ich es am ehesten als vielseitige Symbiose von handgespielten und digitalen Instrumenten durch verschiedene Stilrichtungen.

Starthilfe und Input bekam ich auch beim Artwork von Sven, wie schon vorher mal erwähnt, manchmal braucht es einen guten Geist der einem mit den richtigen Worten erklärt, das da ist nicht wirklich gut und eine Richtung aufzeigt. Ohne Sven wäre das Album in vielen Aspekten definitiv nicht das geworden, was es zum Glück geworden ist. Danke für all die Hilfe, den kreativen Input und die Geduld. Die Tracks haben sich durch das Material aus den Recording-Sessions teilweise so verändert, daß Sven beim Songwriting mit genannt werden muss, genau weil es etwas neues wurde.

Einen Gruß an das Electric Cafe findet sich ebenfalls auf dem Booklet. - Warum ?
Ganz einfach, durch den Kontakt zum Electric Cafe und den riesigen Pool an kreativen Leuten habe ich soviel aufgesogen, daß ich mich in den 2 Jahren die ich Euch kenne musikalisch weiter entwickelt habe als in den 20 Jahren davor.